Die schwache materielle und soziale Infrastruktur Sierra Leones ist eine Folge des elf Jahre andauernden Bürgerkrieges. Die Ausbeutung des Landes durch in- und ausländische Akteure sowie die Misswirtschaft und ethnische Privilegierung durch die herrschenden Eliten führten 1991 zum Ausbruch eines Bürgerkrieges, der bis zum Jahr 2002 andauerte und bei dem etwa 50.000 Menschen ums Leben kamen. Etwa eine Mio. Menschen waren im In- und Ausland auf der Flucht. Der Ressourcenreichtum, vor allem die Diamanten, wirkte als zentraler konflikt-verlängernder Faktor. Intergenerationelle und ethnische Konfliktlinien sind ebenfalls als Ursache und auch Folge des Krieges zu nennen.

Heute befindet sich Sierra Leone in der Phase der Friedenskonsolidierung. Noch immer sind die Vereinten Nationen mit dem integrierten Büro UNIOSIL vor Ort vertreten. Formal ist Sierra Leone eine Präsidialdemokratie. Es handelt sich um ein neopatrimoniales System, d.h., dass Klientelismus, patriarchale Strukturen und Korruption das politische System auf allen Ebenen kennzeichnen. Entgegen der meisten Prognosen vollzog sich 2007 ein demokratischer Regierungswechsel, bei dem die Sierra Leone‘s People Party die Macht an All People‘s Congress abgab. Der amtierende Präsident Ernest Bai Koroma steht einem Kabinett mit 20 Ministern vor, von denen drei weiblich sind. Das Land setzt sich aus vier administrativen Regionen zusammen, die sich in zwölf Distrikte aufteilen. Diese sind in 149 Bezirke untergliedert, sog. Chiefdoms, denen Paramount Chiefs als traditionelle Führer vorstehen. Zurzeit gibt es 138 männliche und elf weibliche Paramount Chiefs. In einigen Regionen, so in der Northern Region, ist Frauen diese Position per Gewohnheitsrecht versagt.